Zitat im Titel nahm ich wortwörtlich aus dem Gespräch mit Eltern. Es gibt sehr viele ähnlicher Gespräche. Ich komme zu dem Schluss, dass gemeinsame, friedliche Mahlzeiten ein Mythos sind. Sowas sieht man nur im Fernsehen und die Realität ist völlig anders. Dem stimme ich nicht wirklich zu. Gemeinsame Mahlzeiten sind das toller Familienerlebnisse und sicher auf jeden Fall zu organisieren und genießen.

Ruhig? Warum sollten sie ruhig sein? Und was bedeutet das eigentlich?

Wahrscheinlich für jeden von uns etwas anders. Für mich bedeutet das kein Streit, aber sicher nicht ruhiges Kind (das nicht zappelt, nicht redet, spielt nicht mit essen, sag nix wenn ihm nicht schmeckt). Die Essenz eines gemeinsamen Essen, hängt nicht von Artigkeit des Kindes ab, sondern von unserer Herangehensweise an das Thema.

In diesem Artikel schreibe ich darüber, wie alle ein gemeinsames Essen genießen können.

In letzter Zeit kamen zu mir viele E-Mail mit Frage: „Was tun, um zu erreichen, dass das Kind ruhig am Tisch sitzen bleibt? So, dass wir irgendwie dieses Essen überleben, ohne schreien, ohne zu reden, ohne Essen zu spucken. Wie kann ich erreichen, dass das Kind alles vom Teller isst“.  Ich verstehe diese Frage so: „Wie kann ich erreichen, dass das Kind ruhig am Tisch sitzen bleibt und ruhig isst und das so schnell wie möglich hinter sich haben?“. Ich sage es so: das ist nicht nett, wenn ein Kind ruhig beim Essen sitzt. Es geht nicht um das, dass die Mahlzeit als Straffe oder eine unangenehme Situation betrachtet wird. Ein Kind kann es so betrachtet. Wir sitzen am Tisch, wir dürfen nicht viel reden, oder überhaupt nicht, wir gucken aufeinander und einfach essen. Und das wars. Es ist leicht vorstellbar sich in dieser Situation zu versetzen. Erwachsene lieben es zu schlemmen und einfach bisschen quatschen. Wir erwarten von dem Kind, dass es ruhig und still am Tisch sitzen wird. Wir wissen aber selbst, dass es am Tisch toll ist, wenn man miteinander reden kann und teilen, was man heute alles erlebt hat. Deshalb verstehe ich nicht einen so großen Drang auf Kinder. Warum sollen sie so ruhig sitzen? Vielleicht es geht hier um das Wort „ruhig“. Was bedeutet „ruhig“? Es ist ein sehr allgemeiner Begriff, mit dem wir, als Erwachsene, nicht klar kommen. Auf der einen Seite wollen wir, dass es alles so ruhig und höflich wird. Auf der anderer Seite, ist „höflich“ und „ruhig“ nicht unbedingt was gute. Wir wollen doch nicht, dass unser Kind immer höflich und brav ist. Er wird seine Meinung nicht haben und  sich nicht in eine Konfliktsituation versetzen können. Wenn wir also zu dem Schluss kommen, dass solch ein trauriges Sitzen am Tisch in der Stille und ein sehr braves Kind nicht cool sind, dann warum erwarten wir von ihm, dass er doch ruhig und still am Tisch sitzt. Besser ist deinem Kind zu zeigen, wieviel Spaß macht zusammen essen. Vielleicht ist das die Lösung. Wenn wir annehmen, dass man am Tisch reden kann, mit den Beinen winken darf und quatsch machen. Natürlich hängt es auch vom Alter des Kindes. Nehmen wir an, wir reden über 2- oder 3-jährige Kinder. Der Kindergarten nähert sich und Kind muss sich benehmen. Es wird andere Kinder geben, die brav am Tisch sitzen können. Und hier kommt Nervosität und Stress, dass das Kind es können muss. Auf der anderen Seite sind wir bewusst, dass Kinder im Alter von 4 und 5 Jahren nicht 20 Minuten ruhig sitzen können. Gib denn die Möglichkeit mit den Beinen zu winkeln und reden. Nun, dass wir uns gut verstehen. Es geht mir nicht um das, dass die Kinder am Tisch tun was sie wollen. Der Punkt ist, Kindern zu zeigen, wie man kann sich am Tisch gut benehmen, wie es klug machen und wofür kann es verwendet werden. Wenn wir anfangen es von den jüngsten Jahren zu zeigen, statt „still sitzen“ zu erfordern, werden unsere Kinder es verstehen. D.h. es ist erlaubt zu sprechen aber ist nicht erlaubt mit Brokkoli zu spuken. Es ist erlaubt mit Beine zu winken, ist aber man darf niemanden treten. Wie die Atmosphäre beim Tisch wird, hängt von uns Erwachsene ab. Wenn wir wissen, dass das Kind seine Beine winken muss (und wir wissen dass es einfach muss), dann sollen wir ihn Platz dafür erschaffen. Lass uns es so tun damit das Kind sich bewegen kann und dass es ab und zu aufstehen könnte. Vor allem wenn wir wissen dass es sehr bewegliche Kind ist. Es ist keine Sünde wenn ein Kind vom Tisch aufsteht. Es hat nichts mit guten Manieren zu tun. Das Kind braucht Bewegung. Ich habe so ein bewegliches Kind. Karolina muss jede Aktivität, die Konzentration erfordert,  viele Male unterbrechen. Ich sehe nichts falsch daran. Manchmal schicke ich Karolina Servietten oder Salz zu holen. Alles das hat mit Mahlzeit zu tun. Es ist nicht so, dass ich sage: „Ok, jetzt kannst du spielen gehen und wenn du es willst, gehe na dir mit Teller“. Alle Aktivitäten, die ich ihr anvertraue, geben ihr das Gefühl wichtig zu sein. Sie führt weiterhin die Aktivitäten im Zusammenhang mit dieser Mahlzeit durch. Sie kann für einen Moment aufstehen, seine Knochen strecken und danach ist für sie einfacher das Essen zu beenden. Es gibt noch etwas worüber ihr fragt: „Wie kann ich tun, damit mein Kind alles isst?“. Nichts tun. Ich habe einen langen Artikel geschrieben i  dem ihr findet 47 Tipps wie man ein Kind zum Essen anregen kann. Das sind aber Tipps die dazu anregen neue Geschmacksrichtungen zu lernen. Es gibt auch Tipps für Mütter von Kinder die nur ein Lieblingsgericht haben oder tatsächlich wollen nix essen und man muss intervenieren. Nur dazu zwingen eine ganze Mahlzeit zu essen, ist keine gute Idee. Wenn das Kind sagt: „Gut, es reicht, habe genug. Ich bin satt“, aber unserer Meinung nach ist zu wenig (weil er/sie hat nur 4 Esslöffel Reis oder paar Esslöffel Suppe gegessen), sollen wir es so lassen. Mit Aussage: „O nein, du musst noch für Mama esse, für Papa usw.“, geben wir dem Kind zu verstehen: „Du Kind weißt nicht wann du satt bist. Du bist zu klein, zu wenig erfahren, nicht weise um es selber festzustellen. Ich bin Erwachsene und ich muss dir sagen wann du satt bist“. In diesem Moment lernt das Kind sich auf das zu verlassen was wir sagen. Das wirkliche Bedürfnis aber wird untergedrückt. Dies führt dazu, dass das Kind weiß nicht mehr ob er bereits satt ist. Das verursacht dass das Kind fühlt sich am Tisch unwohl. Es beginnt dann jammern. Ist vielleicht tatsächlich besser dem Kind erlauben zu entscheiden wie diese Mahlzeit aussehen soll und wieviel kann es essen. Ich weiß, dass für Eltern dieser Rat schwer zu verdauen ist. Trotzdem denke ich dass es ist besser so. Ich gebe lieber meinem Kind öfter was zum Essen. Ich weiß dann zumindest, dass er essen wird, auch wenn es nur zwei oder drei Bisse sind. Es funktioniert oft besser, als ein Kind 3 oder 5 Mal täglich an den Tisch sitzen lassen. Auf diese Weise wird er nicht gerne am Tisch sitzen, wird keine gemeinsamen Mahlzeiten mögen.