Ich mag es nicht, mit meinem Kind zu spielen. Das von Zeit zu Zeit aufgeworfene Thema durchläuft die Ratgeber, die Blogosphäre und die Gespräche auf dem Spielplatz. Es ist ein schwieriges Thema, es darf nicht verschwiegen werden, denn für das Kind ist Spielen die Hauptsache. Für Erwachsene aber nicht unbedingt.

Ich spreche nicht von dem ewigen Peter Pan, der nur nach einer Möglichkeit sucht, ein nächstest Spielzeug (eine Uhr, ein Auto, ein iPhone) zu kaufen. Obwohl er, ehrlich gesagt, oft derjenige ist, der am besten als Babysitter geeignet ist. Du kannst das nicht glauben? Lies mal den Beitrag über die Reihenfolge der Geburt und die Art und Weise des Verhaltens von manchen Kindern und dann natürlich auch von Erwachsenen, wenn wir sie „in Stereotypen“ aufwachsen lassen.

Jedoch (vielleicht zum Glück) habe ich zu Hause keinen Peter Pan. Dafür habe ich ein Kind (ein Einzelkind) und eine Menge so genannter Hausarbeiten. Wenn ich mal höre: „Lass uns mal… spielen”, dann habe ich manchmal einfach keine Lust dazu. In einem Augenblick aber rufe ich mich selbst zur Ordnung auf und in meinem Kopf beginnt der Kampf: „Bin ich etwa eine schlechte Mutter?“, Das Kind hat seine Bedürfnisse!“ Du hast das Kind zur Welt gebracht, na dann kümmere dich einfach um dein Kind!“ 

Na dann kümmere ich mich um mein Kind

Wir setzen uns auf den Teppich, nehmen die Kuscheltiere/Puppen/Figuren/Ausschneidefiguren oder was auch immer… und spielen. Manchmal nehmen wir gar nichts und spielen einfach so, z. B.: „Mama, ich bin ein kleines Kätzchen, das von seinen Eltern bei einem Sturm verlassen wurde. Nimm mich, bitte, auf”. Kann jemand so einem Kätzchen nein sagen? Na klar, ich nehme es auf und kümmere mich um das kleine Kätzchen. Aber wenn ich am nächsten Tag einen kleinen Hund, dann einen Panda, ein Igelchen, eine Fledermaus… finde und das Drehbuch mehr oder weniger ähnlich ist, dann nehme ich die Tiere immer mehr gelangweilt auf.

Eine schlechte Mutter, eine schlechte Mutter. Wie kannst du seufzen und die Augen rollen, wenn so ein süßes Igelchen dich bittet, es aufzunehmen? Die Antwort ist trivial. Weil ich erwachsen bin. Ich bin kein Kind, das gerne einen Monat lang, jeden Tag, einen unsichtbaren Tee trinkt.

Das Schlimmste war es, stundenlang in einem Sandkasten mit Baby zu sitzen. In gewisser Weise kann das Spaß machen, aber nur in gewisser Weise und bis zu einem gewissen Grad. Dann beginnt das Erwachsenenalter. Unsere Gehirne funktionieren nicht wie die Gehirne von Kleinkindern. Wir brauchen andere Impulse, etwas anderes macht uns glücklich und neugierig. Eigentlich gut, oder?

Ich verstehe die Ernsthaftigkeit des Spieles

Ich lese mit großer Aufmerksamkeit verschiedene psychologische und pädagogische Erziehungstheorien. Ich mag sie, weil sie zu meinem Beruf dazugehören. Aber ich bin weit davon entfernt, sie alle umzusetzen. Die Suche nach einem inneren Kind ist mir fremd und ich das ist auch gut so. Ich fühle mich nicht verpflichtet, dies zu tun, nur weil ich

Ich bin Mutter. Ich bin auch Pädagogin, Ehefrau, Freundin, Nachbarin, Tochter, Bloggerin. Bedeutet das, dass ich nicht mit meiner Tochter spielen werde? Dass ich sie dem Stress aussetze, der mit der Ablehnung zusammenhängt? Natürlich werde ich mit meinem Kind spielen, denn ich bin ein verantwortungsbewusster erwachsener Mensch und Elternteil. Ich weiß, dass dies für die Entwicklung, den Aufbau der Nähe, das Gefühl der Geborgenheit, eine gewisse Bindung wichtig ist. Das Spiel ist für das Kind eine Kommunikation. Wenn es sagt: „Lass uns spielen, Mama“, dann weiß ich, dass es manchmal seine schlechte Laune meint, einen schlechteren Tag, einen Streit mit der Freundin. Das ist wahrscheinlich das, was bewusste Elternschaft bedeutet. Das Spielen ist nicht für mich. Es ist für das Kind. Daher spiele ich, immer wenn ich kann.

Aber ich überlasse mir das Recht, zu entscheiden. Habe ich das Recht, nicht immer spielen zu wollen? Ja. Ich bin kein Maskottchen, keine Marionette oder ein ferngesteuerter Roboter.

Das ist die Erfindung unserer Zeit

Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern die ganze Zeit mit mir gespielt haben. Auch keine Traumata aus diesem Grund sind damit verbunden. Ich erinnere mich, wie meine Geschwister nicht mit mir spielen wollten und es war etwas ganz Natürliches. Ich wollte auch manchmal nicht mit ihnen spielen. Nicht immer und nicht alles. Warum sind wir (Erwachsene) dann so besessen, mit Kindern zu spielen? Eigentlich ist es ein künstliches, unnatürliches Verhalten. 

Früher haben sich Erwachsene um ihre eigenen Angelegenheiten gekümmert und die Kinder haben gespielt. In vielen Teilen der Welt funktioniert dieses System natürlich weiterhin. Aber in dem zivilisierten Europa nicht unbedingt. Dies hat verschiedene Gründe. Die beschäftigten Eltern verbringen tagsüber sehr wenig Zeit mit dem Kind, so dass sie Gewissensbisse haben: „Du musst“. 

Dazu kommt auch die Müdigkeit, Gesundheit, körperliche und psychische Verfassung, Kommunikation in der Familie, auf der Arbeit, usw. Tausende von Faktoren halten Erwachsene vom spontanen Spiel fern, womit es ebenfalls ein Problem gibt. Denn Erwachsene können normalerweise nicht spontan spielen. Wir sind daraus herausgewachsen. Es ist schwierig für uns, die Windungen der kindlichen Fantasie zu verstehen und mit dem Drehbuch Schritt zu halten, das meistens nicht existiert. Wie geht man also mit diesem schwierigen Thema um?

Atme durch und entspann dich. Wenn ich Lust, Kraft und Zeit habe, dann spiele ich einfach. Die Sache ist aber, dass ich versuche, diese Zeit für mein Kind zu haben. Ich suche keine Ausreden. Ich arbeite an mir selbst und nehme jeden Tag Kätzchen, kleine Hunde und Fledermäuse auf, baue den siebenundsiebzigsten Turm aus Bausteinen, trinke eine unsichtbare Limonade, usw. Bisschen aus Pflichtbewusstsein als Mutter, aber tausendmal mehr aus Liebe zu meinem Kind. Gefällt mir diese Form der gemeinsamen Aktivität? Nicht so sehr, aber gut. Ich gebe mir das Recht, dies nicht zu mögen. Ich betrachte es als tägliche Herausforderung, aber ich täusche nicht vor, dass es meine Lieblingsbeschäftigung ist. Und das hilft sehr viel.

Das Verzauberte entzaubern

Ich versuche auch, (soweit möglich) das Spiel aus Zwang zu entzaubern. Ich suche so etwas wie eine goldene Mitte, einen Kompromiss. Und schon seit einiger Zeit ist es so, dass wir in all diese zum Schein Spiele auf dem Schulweg, bei einem abendlichen Bad, im Stau spielen. Dann (wenn ich nicht waschen, bügeln, schreiben, usw. kann), kann ich mich darauf konzentrieren, einen Panda/einen Igel/eine Fledermaus zu finden. Ich habe kein Gefühl von Zeitverlust, wovon viele Eltern in diesem Zusammenhang reden.

In der übrigen Zeit versuche ich, meine Tochter in ein Spiel, das mit den Hausarbeiten zu tun hat, einzubeziehen. Socken sortieren, Handtücher falten, saubere Teller zählen, gekochte Möhren für einen Salat schneiden, usw. Du kennst das bestimmt, oder? Es gibt Dinge, die man zu Hause erledigen muss und man kann sie gemeinsam erledigen.

Diese goldene Mitte ist auch eine Suche nach solchen alltäglichen Aktivitäten, die auch beim Spielen etwas beibringen. Dies ist einer der Gründe, weshalb ich einen Podcast und einen Beitrag über die Spiele, die Konzentration erfordern, geschaffen habe. Über kurze, einfache Spiele bei alltäglichen Aktivitäten zu Hause. Du musst dir den Podcast unbedingt anhören!

Manchmal brauche ich jedoch einen Moment der Entspannung oder Konzentration (auch beim Schreiben) und dann erwarte ich von meinem Kind, dass es sich um sich selbst kümmert. Habe ich ein Recht auf solche Erwartungen? Natürlich. Ich habe gelernt, stolz darauf zu sein, und keine Gewissensbisse zu haben. Es ist doch nicht so, dass ich meine Handtasche und den Schlüssel nehme und in eine Galerie fahre, während das arme Kind alleine im Zimmer weint.

Diese Selbständigkeit habe ich mir selbst (und meiner Tochter) eine lange Zeit beigebracht. Der Schlüssel ist etwas Konkretes. Wenn ich sage: „Spiele einen Moment alleine“, dann kann ich sicher sein, dass ich in 5 Minuten hören werden: „Ich bin gelangweilt“, oder das Geräusch von zerbrochenem Glas, fallendem Vorhang, Schneiden von Rädern auf dem Teppich, usw. Wenn ich also diesen Moment brauche, sage ich meine Idee für ein bestimmtes Spiel. Natürlich für solches, das keine finanziellen Aufwendungen erfordert. Ich finde doch nicht jedes Mal ein neues Lego-Set unter dem Bett.

Ich habe ein paar Spiele, für die ich das benutze, was gerade zur Hand ist. Sie beschäftigen das Kind eine Stunde lang. Das ist eine sehr wertvolle Stunde. Eine Stunde Stolz auf die Selbständigkeit meines Kindes und die Freude, mich auf meine erwachsenen Angelegenheiten konzentrieren zu können. Du kannst sie hier herunterladen! Viel Spaß!

Quelle und Bildrechte: Anna Jankowska