Dieses Thema ist, wie viele andere auf dem Blog mamapaedagoginschreibt.de, von der Beratung inspiriert, die ich gestern mit der Mutter des fünfjährigen Jan durchgeführt habe.

Soll man sich in die Streitereien der Kinder einmischen?Ich spreche nicht nur von Geschwistern, sondern auch von Situationen zwischen fremden Kindern: auf dem Spielplatz, in der Schule, im Kindergarten usw. Ich sage auch nicht, dass man soll sich IMMER einmischen, sondern, wenn es die Situation erfordert.

Okay, aber wann soll ich mich einmischen und wann nicht?

Ich weiß, die schwierigste Frage ist: wann genau erfordert das die Situation? Viele Bücher sprechen davon, dass man sich nicht oder nur dann einmischen soll, wenn Blut vergossen wird. Ich bin damit nicht ganz einverstanden, weil es bei der Erziehung nicht um Extreme geht (immer einmischen oder nie einmischen). Wo ist der rationale Herangehensweise an die Sache und die Logik? Manchmal muss man sich einmischen und manchmal loslassen. Wie im Leben ist jede Situation anders. Man kann nicht einem Schema folgen. Natürlich gibt es keine klare Antwort auf diese Frage, aber es gibt Signale, die Eltern lesen können. Sie schalten die rote Lampe ein und es lohnt sich zu wissen, wie man sie entziffert, wobei man sich weitgehend auf gesunden Menschenverstand, Beobachtung und elterliche Intuition stützt.

Die Intuition der Eltern

Und Da liegt wahrscheinlich der Hund begraben. Uns wird (ab Kindergarten) beigebracht, dass man nur auf Autoritäten hören muss, ohne eine zweiten Meinung einzuholen. Und ganz sicher nicht auf mein eigenes Urteilsvermögen verlassen, weil sie sich besser auskennen als ich.

In vielen Fällen kennen sich Spezialisten natürlich aus und helfen, aber für mich ist eine zweite Meinung (Arzt, Pfarrer, Psychologe, Lehrer usw.) die Basis.

Besonders wenn ich das Gefühl habe, dass die erste Meinung nicht das ist, was ich jeden Tag sehe und dem ich zustimme. Ich gehe nicht davon aus, dass ein Spezialist falsch liegt. Ich gehe davon aus, dass ich einen Fall, der in mir gemischte Gefühle hervorruft, durch eine zweiten Quelle untersuchen werde.

Und das ist noch nicht alles. Nach Ansicht der Autorität beispielsweise des Autors des Buches oder der Lehrer kommt etwas, das kein Fachmann hat – Kenntnisse über dich selbst, über deine Familie und dein eigenes Kind. Und hier ist der Elternteil der größte Experte, er muss es nur glauben.

Ich bin nicht sicher, ob ich reagieren soll?

Dieser Mangel an dem Gefühl, dass ich weiß, was ich tue, beschränkt sich normalerweise auf den Slogan: Aber jeder sagt: nicht reagieren, nicht in die Beziehungen zwischen Kindern eingreifen. Es verheddert sich irgendwo im Hinterkopf und nimmt automatisch das Selbstvertrauen.

Ich weiß, woher diese Idee kommt und verstehe sie. Moderne Kinder haben tatsächlich sehr wenig Raum für Unabhängigkeit, obwohl ich den Eindruck habe, dass sich dies auch in letzter Zeit ändert. Unabhängigkeit lehren und Freiheit geben ist jedoch NICHT gleichbedeutend damit, dass man ignorieren oder nicht reagieren soll. Keine Extreme ist gut.

Dem stimme ich überhaupt nicht zu, dass man Kinder IMMER in Ruhe lassen muss, auch wenn man sieht, dass das Kind mit dieser Situation nicht klar kommt, ist überfördert, weißt nicht, was zu tun ist, ist unglücklich und darüber spricht.

Wir sind Eltern, wir sollen Kinder unterstützen. Wenn wir sehen, dass sie unsere Hilfe brauchen oder einfach danach fragen, reagieren wir einfach.

Es geht nicht darum zu reagieren, um einen Fall für ein Kind zu lösen, sondern darum zu lehren, was in einer bestimmten Situation zu tun ist. Das würde das Kind für die Zukunft wissen.

Und das ist die Antwort auf die Frage: Wann soll ich mich einmischen? Wenn du siehst und fühlst, dass die Situation es erfordert.

Manchmal ist dieses „einmischen“ nur eine Erinnerung: „Erinnerst du dich, als ich dir sagte, was in dieser Situation zu tun ist? Dies und das. Versuche es, ob diesmal funktioniert. „

Ich schäme mich, etwas zu sagen

Während der gestrigen Konsultation hat meine Mutter eine bestimmte Szene für mich beschrieben und das Problem der Unsicherheit und des mangelnden Vertrauens in die elterliche Kompetenz perfekt veranschaulicht.

Zwei Freunde spielen auf dem Spielplatz. Acht Jahre und fünf Jahre alt. Sie bauen etwas aus Sand. Ein Achtjähriger (um den Jungen zu verärgern und zu zeigen, dass er älter ist und darf mehr) hält seine Hand an der Stelle, an der der 5-jährige etwas baut.

Eine typische Situation zwischen einem älteren und einem jüngeren Kind, wenn der Ältere sauer ist, weil er es kann, und der Jüngere sauer ist, weil er es nicht aushält.Beide Mütter beobachten es. Der Jüngere ist mit dieser Hand verärgert und nutzt alle ihm bekannten Werkzeuge, um über seine Unzufriedenheit zu informieren.

Er bittet der Ältere zehnmal, um seine Hand wegzunehmen, wird wütend, erklärt, dass er diesen Ort braucht, schiebt seine Hand weg, bewegt ihn, aber er tut nichts. Die Hand kehrt an diesen Platz zurück. Der Ältere nimmt seine Hand nicht weg, weil bekannt ist, dass er durch die Irritation gereizt wird. Nicht weil er ein bösartiges Kind ist, sondern weil … er es kann. Er ist älter und benutzt es. So sieht es in Peer-Beziehungen aus.

Wichtig ist in dieser Geschichte, dass das jüngere Kind nicht anfing zu schlagen, zu treten oder herauszufordern. Er nutzte bewusst die bekannten (von seinen Eltern gelehrten) Möglichkeiten, um sein „Nein“ mitzuteilen: Es gefällt mir nicht Ich kann nicht bauen. Nimm deine Hand weg, weil es mir stört usw.

Klar, es hat nichts gebracht, denn je öfter das Kleinkind fragte, desto größer war die Zufriedenheit des älteren Kindes. Schließlich rief der zurückgetretene Fünfjährige nach vielen Versuchen: „Maaaamaaaa, er will seine Hand nicht von meinem Platz wegnehmen.“ Und was jetzt?

Reagieren oder nicht reagieren?

Dies ist eine Frage an beide Mütter, an gute Freunde, die auf der Bank sitzen. Und weil ich die reale Situation beschreibe, weiß ich, was sie dachten und fühlten, weil sie auf dem Heimweg endlich miteinander darüber gesprochen haben. Beide wollten unbedingt reagieren, aber keiner von denen wagte es, etwas laut auszusprechen, damit der zweite nicht den Eindruck erweckt, der erste sei übervorsichtig, überempfindlich. Ich mache mir Sorgen über die Absurdität der Situation.

  • Beide Frauen waren der Meinung, dass dies ein guter Zeitpunkt war, um zu reagieren und Kindern beizubringen, wie sie mit solch schwierigen Kommunikationssituationen umgehen sollen. Die Intuition funktionierte richtig.
  • Sie taten es beide nicht, weil sie überall hören und lesen: „nicht reagieren“.
  • Sie fühlten sich beide schuldig, dass sie die Situation schlecht elterlich spielten, aber sie hatten nicht den Mut, sie mit einem Wort zu brechen.
  • In dieser besonderen Situation sprachen sie auch nicht miteinander: „Tun wir etwas oder reagieren wir nicht? Ich bin mir nicht sicher. Was denkst du?“

 Eine einfache Frage könnte viel helfen.

  • Beide konnten ihre Kinder unterstützen (ihnen etwas über Kommunikation beibringen), aber sie taten es nicht, weil sie sich nicht kompetent genug fühlten.
  • Beide gaben Kindern mehrere Signale. Der 8-jährige wurde informiert, dass er auf diese Weise jüngere und schwächere Kinder behandeln kann. Der Jüngere erhielt die Information, dass das, was meine Eltern lehren und wiederholen (du kannst dich immer auf mich verlassen), nicht ganz stimmt. Das sind nur Worte.

Kommunikation ist wichtig

Und jetzt, was mich seit Jahren beschäftigt, wenn ich höre: „Reagiere niemals.“ Wie bringen wir Kindern eine angemessene soziale Kommunikation bei, wenn wir ihnen nicht (nie) sagen, was es ist, weil alle sagen: „Reagiere nicht!“? Woher sollen sie das wissen? Ernst jetzt? Glaubst du wirklich, dass du eine schlechte Mutter bist, wenn du deinem Kind in einer bestimmten Situation ein paar Dinge erklärst, indem du die Situation hier und jetzt laut auskommentierst?

  • Du hast das Richtige getan, sag immer, wenn irgendwas für dich nicht passt. Dein „nein“ ist wichtig.
  • Ich weiß, dass er nicht zugehört hat, aber es ist toll, dass du es ihm gesagt hast, weil er weiß jetzt, dass er dich wütend gemacht. Er würde es nicht anders wissen. Es ist jetzt aber klar, dass er es durch Wahl tut, nicht durch Unwissenheit.
  • Du kannst deinem Kind ein paar Tipps geben, wie man kann die Qual im Spiel beenden. Ignoriere es und es wird ihm ganz schnell langweilig.
  • Vielleicht versteht Michael nicht, dass diese Hand stört dir sehr. Michael, hast du verstanden, was Jan zu dir sagt?
  • Ich möchte nur sicherstellen, dass du verstehst / hörst.

Wann und wie reagieren? 

Beachte, dass mit Reagieren keine Konfliktlösung für Kinder gemeint ist. Du rennst nicht wie eine Löwin in die Mitte des Sandkastens: Nimm diese Hand, du schelmische Kind!

Du sagst niemandem, wie er seine Kinder großziehen soll. Du bringst deinem Kind soziale Kommunikation bei und du hast das volle Recht (und sogar die Pflicht), dies zu tun.

Du kommentierst eine bestimmte Situation (du mischst dich ein) nur unter bestimmten Bedingungen.

  • Das Kind hat (oft) versucht, die Situation mit allen ihm bekannten Kommunikationsmitteln selbst zu lösen.
  • Du siehst, dass es einem jüngeren Kind schlechter geht, weil es jünger und schwächer ist. Er versteht nicht, dass je wütender er wird, desto mehr Zufriedenheit gibt er dem Älteren.
  • Das Kind teilt, nach vielen erfolglosen Versuchen, die Situation selbstständig zu lösen, eindeutig mit, dass es Hilfe benötigt.
  • Um Hilfe zu bitten bedeutet nicht, dass dein Kind erwartet, dass du den Konflikt für ihm löst. Du müsst nur die nächste Kommunikationsoption bemerken oder auffordern.

Sprich das an. Rede mit anderen Eltern über deine Zweifel hier und jetzt: „Ich sehe sie an und ich weiß nicht, soll ich mich einmischen oder lieber nicht? Was denkst du? „

Ihr müsst nicht die gleiche Meinung sein, aber zumindest wirst du wissen, was die andere Mama darüber denkt, anstatt Angst vor dem zu haben, was sie denken wird.

Kommunikation funktioniert wirklich. Vielleich ihr seid beide nicht sicher und es ist auch in Ordnung. Tu was deine Intuition dir in dieser speziellen Situation sagt.

Älteres Kind

Wenn wir das Verhalten eines älteren Kindes beeinflussen wollen, lohnt es sich manchmal, die Situation mit einem Hinweis oder Vorschlag zu kommentieren, den das ältere Kind sicherlich verstehen wird. Keine Anschuldigungen oder Wut.

  • Jan hat dir mehrmals gesagt, dass deine Hand ihn stört.
  • Was wirst du mit den Informationen von Jan machen?
  • Ich sehe, dass du nicht auf die Nervosität deines Bruders reagierst und machst du das mit Absicht.

Ein älteres Kind weiß normalerweise, wann es die Grenze überschreitet. Und der Mangel an Reaktion, wenn es definitiv übersteigt, ist eine Nachricht: „Du darfst das machen, cool!“ Und die Nachricht: „Ich ignoriere dich.“ Je mehr solcher Botschaften, desto mehr Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit der Eltern zu erregen und die Frustration bei den Jüngeren auszulösen.

Erwachsene meinen oft, dass ein älteres Kind bereits wissen sollte, wie es sich zu verhalten hat. Jedoch,wenn zum Beispiel jüngere Geschwister zu Hause auftauchen, ist alles für das ältere Kind neu. Das Kind weiß nicht, wie viel es sich erlauben kann, es muss es testen, überprüfen, was nicht bedeutet, dass die Eltern mit jedem Verhalten einverstanden sein müssen.

Ein älteres Kind kennt seinen Vorteil und nutzt ihn manchmal nur. Es lohnt sich, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er es sich nicht immer und nicht überall leisten kann, d.h. reagieren.

Es ist besser für alle, wenn das ältere Kind, in bestimmten Situationen, einen Hinweis erhält, wie anders, als zum Beispiel mit Gewalt, kann man einen bestimmten Fall lösen.

Es geht auch nicht um Wiederholung: Lass es, er ist jünger.

Jüngeres Kind

Das jüngere Kind ist in der Regel in einer Verlustposition und benötigt häufiger einen Hinweis auf die Kommunikation, damit die Nachricht das ältere, stärkere und intelligentere Kind erreicht.

Das jüngere Kind ist eher bereit, Kommunikationsmittel zu verwenden, die von den Eltern oder Geschwistern bereitgestellt werden, wenn es das Gefühl hat, dass die Eltern in einer Krisensituation reagieren und diese unterstützen. Er ist nicht allein.

Das Schlimmste ist das Ignorieren

Jedes Kind muss sich sicher fühlen, um seine „nein“ klar zu kommunizieren. Das heißt natürlich nicht, dass es immer funktionieren muss, es ist eine Angewohnheit, darüber zu informieren, was uns gefällt, was uns stört usw.

Ignorieren ist die schlimmste Art von Beziehung. Studien, die darüber sprechen, sind seit Jahren bekannt.

Man muss sich nicht immer einmischen, aber in bestimmten Situationen lohnt es sich. Keine Reue, denn wenn du weißt, dass du keine überfürsorgliche Mutter bist, was ist das Problem?

Es geht darum, den Kindern die Prinzipien der Kommunikation durch Gespräche und spezielle Fälle beizubringen, ihnen die Werkzeuge zu geben, die sie zum Üben von Beziehungen zwischen Gleichaltrigen benötigen. Es geht darum, nicht darauf zu warten, dass sie sich selbst erraten, denn in dem Leitfaden, den sie geschrieben haben: „Nicht reagieren!“.

Wenn du das Gefühl hast, dass die Situation deine Reaktion erfordert und eines der Kinder sie hier und jetzt benötigt – reagiere.